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"Sorgenkind mit 'Zucker im Arsch' ?" - Spannender Vortrag und angeregte Diskussion

28.05.2026
Gruppenbild mit Teilnehmerinnen und der Referentin

Unter dem Titel „Sorgenkind mit ‚Zucker im Arsch‘?“ und im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus und Rechtsextremismus von NRWeltoffen im Kreis Herford lud das KSL-OWL am 27.05.2026 zum Vortrag und anschließender Publikumsdiskussion im Bürgerzentrum „Haus unter den Linden“ in Herford ein. Malin Butschkau skizzierte den Zusammenhang von Inklusion und Demokratie auf Basis der Menschenrechte und gab einen historischen Rückblick auf die Euthanasie von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus als eklatanten Bruch mit dem menschenrechtlichen Werte-Ethos. Davon ausgehend stellte sie dar, wie sich in der internationalen Menschenrechtspolitik ein Verständnis von Menschen mit Behinderungen als Menschenrechtssubjekte und damit eine Verankerung von Anspruchsrechten entwickelt hat, während ein weiterhin stark vertretenes medizinisches Modell von Behinderung in der Mehrheitsgesellschaft dazu führt, dass individuumsbezogene Unterstützungsleistungen nicht als Voraussetzung von Menschenrechten, sondern als ‚Zucker im Arsch‘ gedeutet werden. Anschließend diskutierten das KSL-OWL und die Teilnehmenden angeregt, wie ein mangelndes Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen als diskriminierte und menschenrechtsgefährdete Gruppe sowie fehlendes Wissen zur Lebenslage und den Unterstützungsleistungen von Menschen mit Behinderungen dazu führen, dass Kürzungsvorschläge bspw. hinsichtlich der Eingliederungshilfe in der Mehrheitsgesellschaft kaum Widerspruch und stattdessen sogar häufig Zustimmung erfahren. Das Publikum entwickelte verschiedene Ideen, wie gegen das weit verbreitete Narrativ vom ‚Sorgenkind mit Zucker im Arsch‘ vorgegangen werden kann. Deutlich wurde, dass sowohl auf breiter gesamtgesellschaftlicher Ebene als auch hinsichtlich politischer Entscheidungsträger*innen Bewusstseinsbildung und Aufklärung notwendig sind. Ann-Christin Kleinert und Erhan Kara von NRWeltoffen warben für die Vernetzung im NETZWERK - gegenrechts für den Kreis Herford, in dem an bereits bestehende Allianzen angeknüpft werden kann. Sowohl als Kooperationspartner von NRWeltoffen als auch darüber hinaus ist das KSL-OWL ebenfalls Ansprechpartner und bietet an, in weiteren Kontexten zu informieren, zu sensibilisieren, in den Dialog zu gehen und Aktionen zu initiieren.